Jonas und die Bienen – Teil I: Wie ich mit der Haltung einheimischer Bienen im Dorf Barreirinha, im indigenen Gebiet Araribóia, begann

Ich bin Jonas Guajajara und ich möchte Euch meine Geschichte erzählen: Wie ich meine Arbeit als Halter von heimischen, stachellosen Bienen im Dorf Barreirinha begann und welche Herausforderungen ich zu bewältigen hatte.

Author: Jonas Guajajara, Halter einheimischer Bienen
Read in English. Leia em Português.

Meine Kindheit in den Indigenendörfern Marajá und Barreirinha (IT Araribóia)

Ich wurde im Jahr 1993 geboren, und zwar im Indigenendorf Marajá IT (Indigenes Territorium) Araribóia, nicht weit von der Gemeinde Calumbi/Arame, im Bundesstaat Maranhão. Als Sohn von Raimundo Guajajara und Rosilene Guajajara bin ich in Marajá aufgewachsen, bis ich 11 Jahre alt wurde.

Wie alle Eltern waren meine Eltern immer darum bemüht, uns Kindern ihr Bestmöglichstes zu geben. Früher, als sie noch jung waren, gab es keine Schule, oder genauer, es gab ja eine Schule, aber diese Schule war von der Ortschaft, wo sie wohnten, ganz weit entfernt und meine Eltern hatten damals keine Gelegenheit, zur Schule zu gehen. Daher beschlossen sie, die Möglichkeit zu nutzen, uns zur Schule zu schicken, da sie nicht wollten, dass wir unter denselben Nachteilen litten wie sie. Sie meldeten uns in der öffentlichen Schule (Staatsschule) der Stadt an. Wegen der fehlenden Transportmöglichkeiten – da wir acht Kilometer von der Stadt entfernt wohnten – haben unsere Eltern die Entscheidung getroffen, mit uns dorthin zu ziehen, wo wir heute wohnen.

“Wie alle Eltern waren meine Eltern immer darum bemüht, uns Kindern ihr Bestmöglichstes zu geben”

Von Marajá zogen wir ins Indigenendorf Barreirinha um, das von meinem Großvater Crispino Guajajara gegründet worden war.

Anfänglich hieß das Dorf Coelho (Kaninchen), da es ein Ort mit vielen Kaninchen war, und auch heute immer noch ist. Mit der Zeit gab es allerlei Veränderungen und es entstand eine Badestelle am Fluss, dort wo die Leute aus der Stadt zum Schwimmen hingingen. Außerdem gibt es an dieser Stelle einen kleinen Staudamm (“barreirinha” auf Portugiesisch) und, da wir diesen Namen beibehalten haben, trägt der Ort steidem die Bezeichnung “Barreirinha”.

Im Jahr in dem wir aus dem Indigenendorf Marajá wegzogen, also im Jahr 2000, war ich 11 Jahre alt. Schon zu Beginn jenes Jahres meldete mich mein Vater an der Städtischen Oberschule “José Maria Albuquerque” an, im Bezirk Olaria am Rande des Dorfs. Dieser Bezirk liegt etwa 200 bis 300 Meter von dem Fluss (Zutiua) entfernt, der das Dorf von der Stadt trennt. Im Winter war es schlimm wegen des Flusses. Um zur Schule zu gelangen mussten wir den Fluss überqueren. Manchmal hat uns mein Großvater ein Kanu gebaut, aber es konnte nicht sehr lange standhalten. Das also war unsere Strecke, wenn wir zur Schule gingen oder in die Stadt, um Einkäufe zu tätigen. Lediglich in der Trockenzeit war es leicht, den Fluss zu Fuß zu überqueren.

Diese ganzen Jahre meiner Kindheit verbrachten wir mit Lernen, Spielen, zum Gehöft gehen, Angeln, Vogelbeobachtung, usw. Aber das alles nur nachdem wir unsere Hausaufgaben erledigt hatten. Nach Abschluss unserer Grundbildung bei “José Maria Albuquerque” musste ich zu einer Staatsschule überwechseln, die den Namen “Bem-Ony Gomes” trug, wo ich mein erstes Jahr der Sekundarbildung hatte und das zweite Jahr davon anfing, das ich aber nicht mehr abschließen konnte. Ende 2012 fing ein Studiengang in der Stadt Arame an, beim IFMA (Bundesinstitut für Bildung in Wissenschaft und Technik in Maranhão). Dort habe ich meine Sekundarbildung absolviert.

“Diese ganzen Jahre meiner Kindheit verbrachten wir mit Lernen, Spielen, zum Gehöft gehen, Angeln, Vogelbeobachtung, usw.”
:

Das Lernen über die Stachellose Bienenhaltung (Meliponikultur) in Arame

Einer der ersten Menschen hier im Dorf, der erfuhr, dass dieser Kurs in Arame stattfindet und es eine offene Anmeldung dafür gibt, war mein Vater. Er hat uns dafür angemeldet, schon bevor wir selber davon erfuhren, da er wusste, der Kurs sei gut und auch kostenlos. Er fragte uns, ob wir teilnehmen wollten und, nachdem er uns erläutert hatte, wie der Kurs stattfinden würde sowie alle Details darüber, haben wir zugestimmt. Unsere Namen hatte er schon eingetragen, aber er brauchte auch ein Dokument, um die Registrierung abzuschließen. Trotzdem hat er an dem Tag alles richtig gemacht, also hat es sehr gut geklappt. Mein Vater studierte immer noch, da es ihm auch als Erwachsenem gelungen war, etwas zu studieren, deswegen konnte er lesen und schreiben, und inzwischen war er zweisprachiger Assistent in der Sprache Tenetehara-Guajajara geworden.

Im Kurs erlangten wir Kenntnisse über verschiedene Bereiche der Fischzucht (Aquakultur), des Gartenbaus, der Geflügelzucht (Avikultur), der Wiederherstellung degradierter Flächen, der Tierhaltung (Zootechnik), der Stachellosen Bienenhaltung (Meliponikultur), des Obstanbaus, usw.. Der Kurs dauerte dreieinhalb Jahre, und wir schlossen ihn im Jahre 2015 ab.
:

Unsere Leidenschaft für die Stachellose Bienenhaltung und unsere Abschlussarbeit

Mein Bruder und ich genossen den Fachbereich Stachellose Bienenhaltung (Meliponikultur) sehr. Auch weil wir wussten, es es auf unserem Reservat verschiedene Arten von diesen Bienen gab. Für uns hatte der Kurs Neuheitswert in Sachen Bienen, und unsere Abschlussarbeit befasste sich auch mit dem Züchten von Stachellosen Bienen im Indigenendorf. Diese Tätigkeit hatten wir schon begonnen, nachdem wir während des Kurses die Handhabung der Bienenstockkästen erlernt hatten. Wir fingen mit nur zwei Kästen der Uruçu amarela (gelben) Bienen an, die wir nicht weit vom Dorf eingefangen hatten.

Unser Thema war:

DIE ERZEUGUNG VON SETZLINGEN DER JUÇARA- UND BACABA-PFLANZEN, ZUR FÖRDERUNG DER ZÜCHTUNG VON STACHELLOSEN BIENEN IN DER GEMEINDE BARREIRINHA ARAME-MA – DES TENETEHARA (GUAJAJARA)-VOLKES

Nach der Präsentation unserer Arbeit erreichten wir den zweiten Platz mit einer Note von 8.8 von 9 Punkten (diese hatte eine Gruppe erreicht). Insgesamt gab es als 116 Studierende, wenn ich nicht falsch liege. Ich kann mich nicht genau erinnern, aber auf jeden Fall waren es mehr als 100 Studierende, und lediglich vier indigene Studierende haben es geschafft, den Kurs abzuschließen.

Für uns indigene Studierende in diesem Kurs war es eine große Leistung, den Kurs absolviert zu haben. Es war ein Tag, den man nie vergisst. Unsere Kommilitonen haben uns zu unserem Referat gratuliert, was für uns sehr gut war, denn all das hat in uns unsere Leidenschaft für die Stachellosen Bienen geweckt.

“Für uns indigene Studierende in diesem Kurs war es eine große Leistung, den Kurs absolviert zu haben.”

Hier geht es mit Jonas’ Geschichte weiter!

3 Replies to “Jonas und die Bienen – Teil I: Wie ich mit der Haltung einheimischer Bienen im Dorf Barreirinha, im indigenen Gebiet Araribóia, begann”

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *